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10 Leitsätze zur Formulierung von Fürbitten


1. Fürbitte heißt Einstehen der Betenden für andere Menschen vor Gott (in einem bestimmten Anliegen). Fürbitten sind nicht: Moralappelle an Anwesende oder Abwesende, gesellschaftskritische Äußerungen, Indoktrination.

2. Ein Leitgedanke erleichtert das Formulieren und das Verstehen. Der Leitgedanke wird einer zentralen Aussage der Verkündigung entsprechen. Er prägt die Einleitung, die einzelnen Bitten und den Abschluss.

3. In der Regel gelten die einzelnen Bitten den Anliegen der Weltkirche und der Ortsgemeinde, den Regierenden, den Notleidenden, allen Menschen und dem Heil der ganzen Welt. Die Fürbitten sind ein Akt weltweiter Solidarität; sie weiten den Blick über den Kreis der Anwesenden hinaus.

4. Einleitung und Schluss kommen dem Leitungsdienst zu; die Einleitung stellt die folgenden Bitten in den Gesamtzusammenhang der Feier, der Abschluss drückt das Vertrauen in Gottes Fürsorge und Macht aus. Die Einleitung hat in der Regel die Form einer Gebetseinladung an die Mitfeiernden. Der Abschluss bringt keine neue Bitte mehr, sondern fasst die Bitten zusammen oder ist ein Lobpreis.

5. Die einzelnen Bitten beschränken sich auf jeweils eine Personengruppe bzw. ein Motiv. Weil die Bitten von den Mitfeiernden im einmaligen Hören verstanden werden müssen, ist jede Überfrachtung ein Hindernis.

6. Die in der Bitte geäußerten Hoffnungen müssen dem Glauben der Teilnehmenden an Gottes Wirken entsprechen. Gebet kann nur echt sein, soweit es durch einen entsprechenden Glauben gedeckt ist. Unwahrhaftigkeit im Beten wirkt sich zerstörerisch auf den Glauben aus.

7. Fürbitten sind kein Ersatz für eigenes soziales Tun, sondern setzen dieses nach Kräften voraus und fordern es.
Um der Wahrhaftigkeit willen kann nur für andere beten, wer zugleich bereit ist, das in seinen eigenen Kräften Stehende für die Betreffenden zu tun.

8. Jedes Anliegen ist daran zu prüfen, ob es der Tatsache gerecht wird, dass wir immer „durch Christus, unseren Herrn“ beten. Banalitäten oder Zumutungen an andere Menschen werden auf diese Weise ebenso ausgeschlossen wie Handlungsanweisungen an Gott, nach denen er tun soll, wozu die Betenden nicht bereit oder nicht imstande sind.

9. Trägerin des Fürbittgebets ist die ganze Gemeinde. Stille, in der sich alle das vorgetragene Anliegen zu eigen machen können, ist unverzichtbar. Ein Antwortruf der Gemeinde bestätigt ihre Zustimmung zu den Anliegen und ihr Eintreten vor Gott.

10. Die Fürbitten stellen eine Verbindung her zwischen Leben und Gottesdienst.
Die Hineinnahme des Lebens in den Gottesdienst gelingt um so besser, je mehr in den Fürbitten wirkliche Anliegen der Mitfeiernden zum Ausdruck kommen. Darum werden die Fürbitten von verantwortlichen Einzelpersonen oder Gruppen selbst erstellt oder vorhandene Formulare überarbeitet.


Quelle:
 Mit der Not der Welt vor Gott (Pastoralliturgische Hilfe 11), 57-59.




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