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6. Mai 2004
- Leitartikel
- „Messfeier für. . .“
- Überlegungen und Vorschläge zum Umgang mit Mess-Stipendien
- (Eduard Nagel)
- Inhalt
- Christoph Emanuel Hahn verabschiedet
- Manieren in Kirchen? Beobachtungen eines äthiopischen Prinzen
- Aufgaben für den Sachausschuss Liturgie im Mai
- In der Gemeinde feiern. Bericht von einem Seminar zum Stundengebet in der Gemeinde
- Pfingstsonntag (C)
- Pfingstmontag (C)
- Diskussionsthema: Tagzeitengebet als täglicher Gottesdienst
gd Auf zwei Minuten
Seit Karfreitag beschäftigt mich eine Frage bis heute: Ist es wirklich sinnvoll, dass der Priester oder Diakon nach der wohl eindrücklichsten Schriftlesung des Jahres noch seine Stimme erhebt, um zu sagen, worum es geht? Die meisten Predigten, die ich in Karfreitagsgottesdiensten gehört habe, waren Aktualisierungen, die darauf hinwiesen, dass Christus bis heute in den Leidenden der Welt leidet und uns aus ihren Augen anblickt.
Natürlich ist dieser Gedanke richtig und wichtig. Aber muss er an dieser Stelle ausgesprochen werden oder wäre es nicht besser, in dieser Stunde einmal den Blick ausschließlich auf dem Herrn selbst bei seiner Erlösungstat ruhen zu lassen? Drehen wir uns sonst nicht im Kreis, indem wir Christi Handeln und Leiden, sein Sterben und seinen Tod kaum mehr zur Kenntnis nehmen, sondern uns sofort wieder auf uns selbst (die Menschheit) konzentrieren? Die Frage rührt zutiefst an unser Fundament.
Vor 50 Jahren haben wir vielleicht noch zu sehr von uns weg nur auf Christus, Maria und die Heiligen geschaut und möglicherweise darüber gelegentlich das Leid um uns herum übersehen. Aber vielleicht haben wir es gar nicht übersehen, sondern von Gott her anders gesehen – auch in seiner geheilten Dimension. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn“ (Ps 121,1f.).
Könnte es vielleicht sein, dass die Glaubenskrise, die unsere Kirche heute erschüttert, auch damit zu tun hat, dass wir den Blick nicht mehr ausreichend lange auf Gott und seinen Christus um ihrer selbst willen richten, sondern zu schnell abgleiten auf uns selbst und unsere Umwelt? Liebende können sich nicht satt sehen am anderen – halten wir in unserem Beten und im gottesdienstlichen Feiern den Blick auf Gott überhaupt noch aus?
Die Antwort auf diese Frage kann sehr konkret sein: Es geht dabei um eine kurze Gebetsstille nach dem „Lasset uns beten“ ebenso wie um eine Atempause nach jeder Schriftlesung oder nach einem gewichtigen Satz in einer Lesung oder einem Gebet. Es geht um Kurzfassungen von Schriftlesungen und um die Zeit, die man braucht, um ein Lied sich in seinen Strophen entfalten zu lassen. Und es geht um die Askese bei den eigenen Worten, meint Ihr
Ihr Eduard Nagel
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