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22. März 2001
- Leitartikel
- Der Wille des Konzils
- Absicht und Folgen der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums
- (Michael Sievernich SJ)
- Inhalt
- Leitfaden Katechumenat
- Woche für Gesang, Orgel und Gregorianik in Kloster Steinfeld
- Ökumenische Fronleichnamsfeier
- Hinabgestiegen. Wortgottesfeier am Tag der Grabesruhe des Herrn
- Ostern bis Weißer Sonntag
- Aufgaben für den Sachausschuss Liturgie im April
gd Auf zwei Minuten
"Die katholische Kirche zelebriert den uralten Ritus der Kardinalserhebung mit der höfischen Macht des Mittelalters, um in die Zukunft aufzubrechen. Das ist kein Widerspruch." So schrieb eine große Tageszeitung über das Ereignis in Rom und verwies auf dessen zukunftsträchtige Folgen für die Ökumene und die deutsche Kirche. Mir kam vor dem Fernsehschirm der Gedanke: Wie wäre es, wenn die Kardinalserhebung nicht mit einer solchen Feier verbunden wäre, sondern einfach durch eine Zusendung der entsprechenden Urkunden an die Auserwählten erfolgen würde, begleitet von einer Meldung des Vatikanischen Pressesaals? So ähnlich hatten ja vor 30 Jahren manche Fakultäten und Universitäten das Zeremoniell beim Studienabschluss abgeschafft, so dass dort heute die neugebackenen Akademiker nur noch ihr Papier erhalten. In Rom wäre dann kein Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor die Presse getreten, um seiner Freude Ausdruck zu geben, und es wären keine Politiker trotz übervoller Terminkalender angereist, die damit gerade in dieser Zeit ein deutliches Zeichen gaben, dass ihnen ihr christlicher Standpunkt wichtig ist. Noch etwas anderes fiel mir auf: Nicht nur der Purpur, sondern vor allem die Texte der Feier sprachen deutlich von der Bereitschaft zum Martyrium, zu dem die künftigen Kardinäle bereit sein müssten. Das könnte fast makaber wirken angesichts der prunkvollen Situation, wären nicht unter den Kandidaten welche gewesen, die nach Verfolgung und Haft sehr wohl aus Erfahrung wissen, wovon da die Rede ist, und auch andere, die wie die altchristlichen Bekenner zwar nie der Gefahr für Leib und Leben, aber aufgrund ihres Amtes Angriffen und Verleumdungen ausgesetzt waren. Wie schön ist doch eine Liturgie, die das so diskret und ohne Lobreden auf die Betreffenden zum Ausdruck bringt! Es käme wohl kaum ein Vorbereitungskreis auf die Idee, ein solches Ereignis mit solchen Texten zu feiern, und noch weniger, solchen Persönlichkeiten eine Unterwerfungsgeste wie Kniefall und Ringkuss zuzumuten, ohne dass dies äußerst peinlich würde. So Unglaubliches kann tatsächlich nur die Liturgie, sie aber kann es, meint
Ihr Eduard Nagel
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