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2. Juni 2005

Leitartikel
Gottes Gegenwart in seinem Wort
Der liturgische „Mehrwert“ der Schriftlesung im Gottesdienst
(Winfried Haunerland)

Inhalt
  • Ein Kreuz mit dem (Altar-)Kreuz? Behindertengerecht. Wenn ältere Priester Liturgie feiern
  • Zu: „Segnen statt taufen?“
  • Zu: „Handkommunion mit Eintauchen der Hostie in den Kelch?“
  • 12.bis 15. Sonntag im Jahreskreis (A)
  • Eine Konkurrenz? Evangeliar oder Tabernakel als wichtigerer Blickfang
  • Buchbesprechungen

  • gd Auf zwei Minuten

    Bei der „Familienmesse“ am Sonntag ist die Kirche voll; überwiegend sind Familien mit Kindern im Vorschul und Grundschulalter da, aber auch die ältere Generation ist vertreten. Bei der Begrüßung spricht der Priester besonders vier Familien an, die an diesem Tag Kinder zur Taufe bringen, lädt sie ein, sich der Gemeinde vorzustellen und stellt die Eingangsfragen.
    Dafür braucht er ebenso wenig ein Buch oder einen Zettel wie für die bis zu drei Namen der einzelnen Kinder.
    Auswendig und ganz den Menschen zugewandt vollzieht er an dieser Stelle und ebenso später bei der Taufe selbst, was jeweils zu tun ist. Der Eröffnung folgt der Wortgottesdienst mit den drei Lesungen des Tages, dem Antwortpsalm und dem Halleluja.
    Die Predigt lebt aus diesen Schriftlesungen, sie ist ganz auf die Erwachsenen ausgerichtet. Zur Taufe lädt der Priester alle Kinder ein, aus der Nähe zuzusehen, wie er die Kinder tauft, wie er aus einem Fläschchen Öl auf ihr Haupt gießt und wie den Neugetauften ihr weißes Kleid angezogen wird. Ältere Geschwister der Täuflinge haben ihre eigenen Taufkerzen mitgebracht und dürfen sie auch an der Osterkerze anzünden. Nach der Taufe geht die Messfeier weiter wie immer. Zeitweise steigt der Lärmpegel an – trotzdem spricht der Priester unbeirrbar das Hochgebet meditativ Satz für Satz, ohne sich ablenken zu lassen oder schneller zu werden. Der Gottesdienst dauert 70 Minuten, am Ende sieht man überwiegend fröhliche Gesichter. Für den Gast ist das erstaunlich: eine Sonntagsmesse von 70 Minuten; die Kinder, die nur im Zusammenhang der Taufe ausdrücklich einbezogen waren, aber sonst eine ganz auf die Erwachsenen ausgerichtete Veranstaltung erlebten; der zum Teil nicht unerhebliche Betriebslärm.
    Erklärbar ist die offensichtliche allgemeine Zufriedenheit vor allem vom Zelebranten her: Seine Zugewandtheit zu den Menschen schaffte eine gute Atmosphäre, seine Konzentration auf sein jeweiliges Tun übertrug sich auf die Erwachsenen, deren größter Teil als Eltern oder Großeltern gewohnt sind, Kinderlärm zu ertragen. Seine Toleranz ersparte Eltern und Kindern den Stress, der allzu leicht entsteht, wenn Kinder „brav“ sein müssen. Darum gehen dort Alt und Jung gerne hin, empfand Ihr
    Ihr Eduard Nagel

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