  | | Die Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch
1988 erschien die zweite Auflage des deutschen Messbuchs. Darin waren gegenüber der ersten Auflage (1975) die im Missale Romanum seit dessen erstem Erscheinen (1970) vorgenommenen Änderungen und Ergänzungen sowie kleinere Verbesserungen wie etwa Hinweise auf Gloria und Credo und auf passende Feierliche Schlusssegenstexte aufgenommen worden.
Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Forderungen nach einer weitergehenden Revision des Messbuchs auf Grund der Erfahrungen, die damit seit der Einführung gemacht wurden.
Auf diesem Hintergrund setzte die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommissionen im deutschen Sprachgebiet (IAG) 1988 eine Studienkommission ein mit dem Auftrag, die bisherigen Erfahrungen mit dem Messbuch systematisch zu erfassen, die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Neubearbeitung zu prüfen und ggf. der IAG entsprechende Vorschläge zu unterbreiten.
Der Vielfalt der Fragen entsprechend wurde das Gremium "Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch" genannt; damit sollte zum Ausdruck kommen, dass es nicht nur um eine Revision des Buches gehen kann, sondern dass in erster Linie die vertiefte und würdige Feier der Eucharistie das Ziel dieser Arbeit sein soll.
Die Studienkommission arbeitet im Auftrag und zu Händen der IAG. Diese berichtet den Bischöfen des deutschen Sprachgebietes regelmäßig über den Fortgang der Arbeit und entscheidet, was sie ihnen zur weiteren Begutachtung und ggfs. zur Approbation vorlegen will.
Struktur und Aufgaben der Studienkommission
Um den vielfältigen Fragestellungen gerecht zu werden, bildete die IAG 1988 insgesamt 7 Arbeitsgruppen (Subkommissionen) mit jeweils 6-8 Mitgliedern.
- Arbeitsgruppe 1: "Grundsatzfragen zur Messliturgie"
Themen, die sich die AG 1 stellte, waren: die bis dahin erfolgte Rezeption des Messbuchs von 1975, die Funktion eines Messbuches in einer von Büchern geradezu überschwemmten Zeit; die Sprache liturgischer Texte; die Verbindlichkeit der verschiedenen Elemente; die Dramaturgie der Gesamtfeier; Schlüsselbegriffe des Eucharistieverständnisses (memoria, mysterium). - Als nach wenigen Jahren der konkrete Rahmen einer möglichen Revision absehbar wurde, innerhalb dessen keine umwälzenden Änderungen zu erwarten sind, hat die AG 1 ihre Arbeit eingestellt.
- Arbeitsgruppe 2: "Strukturfragen"
Aufgabe der AG 2 ist es, Vorschläge zu erarbeiten für die Aufteilung der Inhalte des Messbuchs in einem oder mehreren Bänden und für die Anordnung dieser Inhalte. Angesichts der Tatsache, dass im bisherigen roten Band des Messbuchs von 1975 so viele lateinische Texte im deutschen Sprachgebiet zur Verfügung stehen wie in keinem anderen, liegt für die Zukunft ein anderes Konzept nahe - etwa die Aufteilung in einen Band für den Altar und einen für den Gebrauch am Sitz. - Ihre Hauptarbeit wird die AG2 zu leisten haben, wenn das gesamte Textmaterial vorliegt.
- Arbeitsgruppe 3: "Gebetstexte"
Der Arbeitsgruppe 3 sind die Gebete des deutschen Messbuchs hinsichtlich ihrer Textgestalt, vor allem die Präsidialgebete, zugewiesen. Dabei sind sowohl Einsichten bezüglich der Kommunikation als auch Entwicklungen der Sprache in den letzten Jahrzehnten zu berücksichtigen, aber auch die Inhalte der übersetzten Texte noch einmal anhand der originalen, lateinischen Fassungen auf dem Hintergrund theologischer und frömmigkeitsgeschichtlicher Akzente in der neueren Zeit zu überprüfen. Zielrichtung dabei ist es, das Anliegen der Verständlichkeit und mitvollziehbarkeit der Gebete beim einmaligen Hören zu verbinden mit der klaren Vorgabe, dass diese Texte die am Ort feiernde Gemeinde mit der weltweiten Kirche und mit der Gebetstradition über die Jahrhunderte hinweg verbindet. Vielfach gewünscht werden auch alternative neue Texte aus dem heutigen Denken und Sprachempfinden heraus.
Leitlinien für die Revision der Gebetstexte des Deutschen Messbuchs und ergänzende Kriterien zu bestimmten Textsorten
Norbert Lohfink SJ, Frankfurt: Zur deutschen Exsultetübersetzung
- Arbeitsgruppe 4: "Ordo Missae"
Diese Gruppe überprüft, wie die "Feier der Gemeindemesse" von 1975 in der Praxis der Gemeindegottesdienste umgesetzt wurde. Wo Missverständnisse oder Fehlentwicklungen festzustellen sind, werden Vorschläge gemacht, wie durch deutlichere Akzentsetzungen die zentralen Anliegen der tätigen inneren und äußeren Teilnahme gefördert werden können.
- Arbeitsgruppe 5: "Kirchenjahr und Kalenderfragen"
Die AG 5 hat aus der Fülle möglicher Themen zwei Schwerpunkte intensiv bearbeitet: "Sonntag" und "Heilige Woche". Zusätzlich behandelt sie eine Reihe von Einzelfragen, die in der Praxis immer wieder angemahnt werden.
- Arbeitsgruppe 6: "Musik"
Die AG 6 hat einerseits die Rubriken des Messbuchs, die Musik und Gesang betreffen, überprüft und zur Verbesserung der z.T. unbefriedigenden Situation (z.B weit gehender Ausfall von Antwortpsalm und Halleluja, Ersatz wichtiger Ordinariumsteile durch Liedstrophen) Vorschläge gemacht. Ein wichtiger Bereich ihrer Arbeit ist die Überprüfung der herkömmlichen Kantillation und die Suche nach alternativen, von der Volkssprache ausgehenden Kantillationsformen. Eine weitere Frage betriffft Möglichkeiten, wie bei der Drucklegung eines überarbeiteten Messbuchs optimale Hilfen für die Kantillation gegeben werden können.
- Arbeitsgruppe 7: "Schriftlesungen"
Das Mess-Lektionar ist einerseits ein Teil des Messbuchs, andererseits eigenständig. Eine Revision im selben Umfang wie beim Messbuch steht derzeit nicht an. Dennoch hat die IAG eine Arbeitsgruppe eingerichet, die hier anstehende Probleme benennen und ggfs. Lösungsvorschläge machen soll. Es geht dabei z. B. um die Frage, wie die Ziele der Werktagsperikopenordnung dort verwirklicht werden können, wo regelmäßig nur an einem Tag der Woche Messe gefeiert wird, um den Anfang und das Ende mancher Perikopen oder um sog. "Frauenperikopen", die in der Leseordnung, vor allem der Sonntage, nicht vorkommen.
Weitere Informationen:
Studien und Entwürfe zur Meßfeier,
Texte der Studienkommission für die Meßliturgie und das Meßbuch
hg. von Eduard Nagel, u.a. , Freiburg, Basel, Wien 1995, Taschenbuch - 272 Seiten
Ende der Arbeit der Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch
Die "Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch" hat die Ergebnisse ihrer Arbeit laufend der IAG zur Verfügung gestellt, die ihrerseits über ihre Mitglieder die Bischofskonferenzen und konferenzfreien Bischöfe über den Fortgang unterrichteten. Die Arbeit der Studienkommission konnte weitgehend abgeschlossen werden.
Die IAG konnte die Ergebnisse allerdings nicht mehr als Approbationsvorlagen den Bischöfen zuleiten, nachdem sich durch die "Fünfte Instruktion ,zur ordnungsgemäßen Ausführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie' (zu Art. 36 der Konstitution): Der Gebrauch der Volkssprache bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie LITURGIAM AUTHENTICAM vom 28. März 2001" die Geschäftsgrundlage der gesamten Revisionsarbeit geändert hatte.
In Ausführung der Fünften Instruktion wurde von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung 2004 die Kommission "Ecclesia celebrans" zur Übersetzung liturgischer Bücher und Texte errichtet.
Für den internationalen Austausch der liturgischen Kommissionen der Bischofskonferenzen und konferenzfreien Bischöfe des deutschen Sprachgebietes, dem bis dahin die IAG gedient hatte, wurde 2004 das "Forum Liturgie im deutschen Sprachgebiet" (FLD) gegründet.
Vgl. Herbstvollversammlung 2003 der DBK zu Fragen der Liturgie
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