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Papst ändert umstrittene Karfreitagsfürbitte

Wie die Katholische Nachrichtenagentur am Mittwoch berichtet, hat Papst Benedikt XVI. die umstrittene Karfreitagsfürbitte «für die Juden» geändert: Im lateinischen außerordentlichen Ritus muss ab dem kommenden Triduum das Gebet für die Juden in einer «geglätteten» Form gesprochen werden. Das geht aus einer Note des vatikanischen Staatssekretariats hervor, die in der Mittwochsausgabe des «Osservatore Romano» erscheint.

Mit der neuen Fassung des lateinischen Textes durch den Papst wird die bereits 1962 entschärfte Fürbitte nochmals theologisch angepasst.

Im alten Formular von 1962 war immer noch von einer «Verblendung jenes Volkes» die Rede, das aus seiner «Finsternis entrissen» werden sollte. Gegen diese Formulierung, die seit der Wiederzulassung des älteren Ritus durch den Papsterlass «Summorum pontificum» vom 7.7.2007 wieder in mehr Gottesdiensten als zuvor hätte gebetet werden können, war Widerstand von jüdischer, aber auch von christlicher Seite laut geworden.

Kritiker sahen darin eine antijüdische Haltung im Geist einer noch älteren Formulierung der Karfreitagsbitte, in der die katholischen Gemeinden einst «für die treulosen Juden» beteten.


Der Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem 16 Katholiken und 14 Juden angehören, hatte bereits im April 2007 einstimmig folgende ernste Bedenken geäußert:

Das Missale Romanum von 1962 enthält die Karfreitagsfürbitte "Für die Bekehrung der Juden" (Pro conversione Iudaeorum). Auch wenn in diesem Messbuch die die Juden abqualifizierenden Bezeichnungen "treulos" (perfidus) bzw. "Unglaube" (perfidia) gestrichen sind, entspricht die Karfreitagsfürbitte ansonsten der Textgestalt, wie sie in der Karfreitagsliturgie seit dem Mittelalter gebetet wurde. Dass von der "Verblendung" (obcaecatio) des jüdischen Volkes die Rede ist und dass es "in Finsternis" (tenebrae) wandle, widerspricht in eklatanter Weise der Konzilserklärung "Nostra aetate", in der es in Kapitel 4 heißt:

"Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. […] Die Juden sind nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (vgl. Röm 11,28-29; vgl. Lumen gentium 16). […] Man darf die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der Wahrheit des Evangeliums und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht."

 Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit


Neue Fürbitte für den lateinischen «außerordentlichen Ritus»

Die neue lateinische Fürbitte für den lateinischen «außerordentlichen Ritus» lautet nun in der von der KNA veröffentlichten deutschen Übersetzung:
«Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen. Lasset uns beten. Beuget die Knie. Erhebet euch. Allmächtiger ewiger Gott, der Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus unseren Herrn. Amen»

Der verbindliche lateinische Originaltext lautet:
«Oremus et pro Iudaeis Ut Deus et Dominus noster illuminet corda eorum, ut agnoscant Iesum Christum salvatorem omnium hominum. Oremus. Flectamus genua.
Levate. Omnipotens sempiterne Deus, qui vis ut omnes homines salvi fiant et ad agnitionem veritatis veniant, concede propitius, ut plenitudine gentium in Ecclesiam Tuam intrante omnis Israel salvus fiat. Per Christum Dominum nostrum. Amen.»




Zum Vergleich:
Die Fürbitte für die Juden lautet im ordentlichen Ritus:

Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat:
Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen,
damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.

Beuget die Knie. - Stille - Erhebet euch.

Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast Abraham und seinen Kindern
deine Verheißung gegeben.
Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk,
das du als Erstes zu deinem Eigentum erwählt hast:
Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.


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