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Vorschläge der Weltbischofssynode
50 Vorschläge – „Propositiones” – hat die 11. Ordentliche Weltbischofssynode am Ende ihrer dreiwöchigen Tagung im Oktober in Rom formuliert. Papst Benedikt XVI. wird auf Basis der Propositiones ein nachsynodales Schreiben verfassen.
Heilsamer Einfluss der Liturgiereform
In Vorschlag 2 wird der “heilsame Einfluss” der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils auf die Kirche festgehalten. Die Reform habe “die Schönheit der Eucharistie, die im liturgischen Ritus aufscheint”, gezeigt. „Missbräuche gab es in der Vergangenheit und auch heute noch, obwohl sie sich verringert haben“, ist zu lesen. „Solche Vorfälle können jedoch die Qualität und die Gültigkeit der Reform nicht verdunkeln, die Reichtümer enthält, die noch nicht voll ausgeschöpft sind.“
Die Gläubigen hätten ein Recht, die spirituellen Güter der Kirche zu empfangen, heißt es in Vorschlag 4. Darin werden die Hirten ermutigt, „jede Anstrengung auf sich zu nehmen, damit der Zugang zur Eucharistie für niemanden konkret verhindert wird“. Die Synode dankte jenen Priestern, „die auch große und riskante Opfer auf sich nehmen, um jenen christlichen Gemeinschaften dieses Geschenk des Lebens zu bringen und sie lehren, es wahrhaftig und in aller Fülle zu feiern“.
In Vorschlag 6 lud die Synode ein, die eucharistische Anbetung verstärkt zu pflegen. Konkret heißt es, die Kirchen mögen geöffnet bleiben, damit jedem der Besuch des Allerheiligsten Sakramentes möglich sei.
Eucharistie und Beichte
Vorschlag 7 behandelte das Thema „Eucharistie und Beichte“. „Die Liebe zur Eucharistie bringt uns dazu, das Sakrament der Versöhnung immer mehr zu schätzen“, ist zu lesen. „Der würdige Empfang der Eucharistie erfordert es, dass man im Stand der Gnade ist.“ Aufgabe des Bischofs sei es, in seiner Diözese zum Sakrament der Versöhnung hinzuführen und einzuladen. Die Priester sollten sich der Beichte „großzügig“ widmen.
Ausdrücklich werden die Bischöfe ermahnt, in ihren Diözesen keine „Kollektivabsolution“ zu erlauben, außer in Ausnahmesituationen, wie sie in „Misericordia Dei“ beschrieben sind. Der Bußakt in der Messe solle außerdem vertieft werden, wünschten die Synodenväter. Die Synode rief außerdem ein, den Ablass neu zu entdecken.
Gemeinden ohne Priester
In Vorschlag 10 geht es um Gemeinden „in Erwartung eines Priesters“. Sie mögen sich dennoch am Sonntag zum Gottesdienst versammeln; der Wortgottesdienst sollte von einem kompetenten Diakon oder verantwortlichen Leiter gehalten werden. Der Unterschied zwischen der Feier einer Heiligen Messe und jener einer sonntäglichen Feier „in Erwartung eines Priesters“ müsse klar sein und „jede Verwirrung muss vermieden werden“, mahnt die Synode. Sie lädt ausdrücklich alle Gläubigen ein, einen Ort aufzusuchen, wo eine Messe gefeiert wird.
Der Priestermangel führe dazu, dass viele Gläubige keinen Zugang zur Eucharistie haben, heißt es in Vorschlag 11. Hier brauche es „wirksame pastorale Initiativen“. Die Synodenväter unterstreichen die Bedeutung des „unschätzbaren Geschenks“, das der Zölibat in der Praxis der lateinischen Kirche darstellt. „Einige haben ,viri Probati’ erwähnt, aber diese Hypothese wurde als ein Weg bewertet, der nicht eingeschlagen werden sollte“.
„lectio divina“
Bei der Liturgie möge beachtet werden, dass die Lesungen sorgsam, wenn möglich von beauftragten Lektoren vorgetragen werden, heißt es in Vorschlag 18. Die Synodenväter empfehlen als Vorbereitung auf die Eucharistiefeier die „lectio divina“ als Zugang zur Heiligen Schrift.
Die Synodenväter betonen in Vorschlag 25, die Sakralität des eucharistischen Geheimnisses müsse gewahrt bleiben. Vermieden werden sollte alles, „was zu einer Manipulation der Heiligen Messe führen kann, zum Beispiel, wenn man die liturgischen Texte durch fremde Texte ersetzt oder man der Feier eine nicht liturgische Bedeutung gibt“.
Der Sonntag
Der Sonntag möge als „Tag des Herrn“ auch der „Tag der Christen“ werden, der von der ganzen Gesellschaft als arbeitsfreier Tag respektiert wird, heißt es in Vorschlag 30.
Eucharistiefeier in kleinen Gruppen
In Vorschlag 32 geht es um die Eucharistiefeier in kleinen Gruppen. Dies solle eine Gemeinde „einigen, nicht spalten“, wird betont. Die unterschiedlichen Dienste von Priestern und Laien werden in Vorschlag 33 behandelt. In Vorschlag 35 geht es um den Empfang der Heiligen Kommunion. „In unserer pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft muss die Bedeutung der Heiligen Kommunion auch den Nichtgetauften erklärt werden oder allen anderen, die nicht der Kirche angehören, und nicht-katholischen Gemeinschaften, die zufällig bei der Messe sind“, ist zu lesen.
Latein bei Liturgiefeiern
Vorschlag 36 widmet sich der lateinischen Sprache in Liturgiefeiern. Latein sei bei internationalen Eucharistiefeiern angebracht, „um die Einheit und Universalität der Kirche auszudrücken“, schlagen die Synodenväter vor. Priester sollten so ausgebildet werden, dass sie eine Heilige Messe auf Latein feiern können.
Wiederverheiratete Geschiedene
In Vorschlag 40 geht es um die wiederverheirateten Geschiedenen und die Eucharistie. Die Bischofssynode betont, wie wichtig pastorale Aufmerksamkeit und Offenheit für wiederverheiratete Geschiedene sind. Gemäß der Tradition der katholischen Kirche können sie nicht zur Kommunion zugelassen werden, heißt es. Dennoch gehören sie zur Kirche, die sie mit besonderer Aufmerksamkeit aufnimmt und betreut, damit sie einen christlichen Lebensstil entwickeln und am Gemeinschaftsleben und an der Messe teilnehmen, auch wenn sie die Kommunion nicht empfangen.
Nicht-Katholiken und Kommunion
In Vorschlag 41 geht es um die Teilnahme nicht-katholischer Gläubiger an der Kommunion. Die Trennung der Christen sei am eucharistischen Tisch „schmerzhaft“ erfahrbar, heißt es. Viele Katholiken und ebenso Nicht-Katholiken wünschen sich deswegen die eucharistische Gemeinschaft. Die Eucharistie stelle jedoch nicht nur „unsere persönliche Gemeinschaft mit Jesus Christus“ dar sondern vor allem „die volle Gemeinschaft der Kirche“, schreiben die Synodenväter. Sie bitten alle nicht-katholischen Christen um Verständnis und Respekt für die Tatsache, dass für uns „eucharistische und kirchliche Gemeinschaft zusammengehören“ und „dass deswegen eucharistische Gemeinschaft mit Nichtkatholiken nicht generell möglich ist. Noch ausgeschlossener ist eine ökumenische Konzelebration.“
Eucharistie und Mission
Eine wirklich eucharistische Kirche ist eine missionarische Kirche, heißt es in Vorschlag 42, wo es um Eucharistie und Mission geht. „Die Eucharistie ist die Quelle der Mission.“ Die Eucharistie sei der Ursprung von “jeder Form von Heiligkeit”, ist in Vorschlag 43 zu lesen.
Katholische Politiker und Eucharistie
Vorschlag 46 beschäftigt sich mit katholischen Politikern und Abgeordneten. Sie müssten bei der Gesetzgebung besonders auf ihr gebildetes Gewissen hören, ist zu lesen. „Es gibt keine eucharistische Kohärenz, wenn sie Gesetze fördern, die gegen das Gemeinwohl, die Gerechtigkeit und das Naturrecht sind. Die private und öffentliche Option lassen sich nicht voneinander trennen, indem man sich in Widerspruch zum Gesetz Gottes und der kirchlichen Lehre stellt, und dies muss auch angesichts der eucharistischen Wirklichkeit betrachtet werden.“ Die Bischöfe seien aufgerufen, mit Stärke und Klugheit mit konkreten Situationen umzugehen.
Soziale Dimension der Eucharistie
In Vorschlag 48 geht es um die soziale Dimension der Eucharistie. Christi Opfer sei ein „Geheimnis der Befreiung, das uns verpflichtet“. Inhaltlich geht es um Globalisierung, die Kluft zwischen Arm und Reich, die Ausbeutung der Erde und die Ungerechtigkeiten in der Verteilung. Die Christen werden ermutigt, sich politisch und sozial zu engagieren, vor allem in den Bereichen AIDS, Drogensucht und Alkoholismus.
Weitere Informationen
Propositiones (engl.)
Propositiones (franz.)
Propositiones (ital.)
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