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Stundengebet - Liturgie der Gemeinde
Dr. Alexander Saberschinsky


Stundengebet in der Krise

Einführung
Stundengebet in der Krise
Tagzeitengedenken als Gebet und Liturgie
Tagzeitenliturgie als pastorale Chance

Literaturbericht
- Guido Fuchs: Singet Lob und Preis. Stundengebet mit der Gemeinde feiern, Regensburg 1993.
- Paul Ringseisen, Morgen- und Abendlob in der Gemeinde. Geistliche Erschließung, Erfahrungen und Modelle, mit einem Beitrag von Martin Klöckener, Freiburg i.Br.-Basel-Wien 2002.
- Morgenlob - Abendlob. Mit der Gemeinde feiern, erarbeitet von Paul Ringseisen, 3 Bde., Planegg 2000ff.
- Albert Gerhards und Reinhold Richter: Neue Vespergottesdienste. Ein Werkbuch, Freiburg i.Br.-Basel-Wien 1986.
- Hans-Heinz Riepe: Stadtgebet. Ermutigung zu einer neuen Gebetsform, Limburg 1998.
- Klaus Einspieler, Lobe den Herren, meine Seele! Handbuch für die Vorbereitung von Morgenlob, Abendlob, Vigil und Komplet, Mohorjeva-Klagenfurt 2001.


Einführung

Trotz des mutigen Ansatzes des Zweiten Vatikanischen Konzils (Muttersprache, mehr biblische Texte, "veritas horarum") ist es weder gelungen, die Tagzeitenliturgie auf breiter Ebene in den Gemeinden einzuführen, noch das Stundengebet als Gebet des einzelnen Gläubigen zu etablieren - selbst bei vielen Geistlichen nicht. Wo liegen die Ursachen hierfür?


Stundengebet in der Krise

Es ist offenbar nicht gelungen, sich in der Gestaltung des Stundengebets entschieden genug von einer Hochform zu verabschieden, wie sie geschichtlich gewachsen ist, aber ihre Heimat bei den Ordensgemeinschaften und dem geschulten Klerus hatte. Im Bewusstsein der meisten Christen ist Stundengebet eher etwas für die „Profis” und nicht für das einfache Volk. Und in der Tat ist das deutsche Stundenbuch - selbst das Kleine Stundenbuch - nicht gerade selbsterklärend und erschwert eher den Zugang. Was hier droht, nennt Angelus Häußling "die Überforderung der zum Stundengebet Eingeladenen oder auch Verpflichteten durch Vorgaben der herkömmlichen Ordnung der liturgischen Tradition, die ursprünglich doch getragen war von Menschen, deren religiösen Situation eine andere war als die der Menschen der nordatlantischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts".

Diese Überforderung damals wie heute hat dazu geführt, dass sich die betende Kirche teilte, und zwar in solche, die das Brevier beteten bzw. die Tagzeitenliturgie feierten, also Klerus und Ordensangehörige, und solche, nämlich die Laien, die in den einfacheren Formen der sogenannten Volksfrömmigkeit ihre religiöse Heimat fanden. Hier sind u.a. Rosenkranz und der "Engel des Herrn" zu nennen. Man sollte sich hüten, diese Gebetsformen geringschätzig als Ersatzformen zu deklarieren, also nur „negativ” zu bestimmen und darüber, was sie nicht sind. Denn das suggeriert, allein das Stundengebet nach kirchlich approbiertem Ritus sei die „richtig gültige” Form, um den Tag zu den einzelnen Stunden zu heiligen und sich in die Gegenwart Gottes zu stellen. Doch selbst wenn man die volkstümlichen Formen als Stundengebet im eigentlichen Sinne des Wortes (und nicht allein als Terminus für die kirchlich-liturgischen Texte) würdigt, wird man festhalten müssen, dass sie im Kontext der "modernen Alltagsorganisation", wie Patrick Dondelinger formuliert, verschwunden sind.


Tagzeitengedenken als Gebet und Liturgie

Die Bemühungen um die Wiedergewinnung des Stundengebets - sei es im Sinne der offiziellen Tagzeitenliturgie oder der eben beschriebenen Formen der Volksfrömmigkeit - werden jedoch angemessenerweise nicht mit Restaurationsversuchen einsetzen, sondern mit einer positiven Bestimmung des Gebets allgemein und des Stundengebets speziell. Wer nach dem Vorbild Jesu betet, hat Gemeinschaft mit ihm und dem Gott Jesu. Das christliche Gebet ist die Antwort darauf, daß Gott uns ins Dasein gerufen hat. Doch weil christliches Beten Teilhabe am Gebet Christi ist, ist es niemals nur Privatsache, sondern hat Anteil am Gebet des ganzen Leibes Christi, der Kirche. Daher ist christliches Beten auch immer Beten in der Kirche. Das ist zugleich der Grundgehalt der Liturgie: In ihr werden nicht nur Gebete gesprochen, sondern sie selbst ist ein einziges Gebet, in dem sich Gott und Menschen begegnen. Da es sich dabei um die Feier der Kirche handelt, ist Liturgie mehr als nur die Summe der Gebete der einzelnen Gläubigen, sondern sie wird von der ganzen feiernden Gemeinde getragen. Das gilt auch für die Tagzeitenliturgie, von der Martin Klöckener sagt: "Tagzeitenliturgie ist in diesem Kontext des liturgischen Handelns der Kirche mehr als das zusammengefasste Beten von Individuen, mehr als das Erfüllen eines Offiziums als einer Gott „geschuldeten Pflicht”, mehr als das persolvierte „Pensum”, sondern ist Liturgie der betenden Kirche."

Es ist hilfreich zu unterscheiden: Für das Gebet der einzelnen zu den verschiedenen Tagzeiten muss es durchaus nicht zwingend die Vollform mit den Texten des kirchlichen Stundengebets sein. Entscheidendes wäre auch erreicht, wenn es gelänge, neue Formen der Volksfrömmigkeit zu gewinnen. Doch darauf aufbauend bleibt es eine Herausforderung, das Stundengebet, besser: die Tagzeitenliturgie, als Gebet der Kirche in den Gemeinden zu verwurzeln. Dabei wird zu beachten und betonen sein, dass das Stundengebet der Gemeinde Liturgie der Kirche im Vollsinn des Wortes ist. Das ist nicht nur theologisch wichtig, sondern auch entscheidend, um Tagzeitenliturgie in der Pastoral als vollgültigen Gottesdienst im Bewusstsein der Gläubigen zu verankern. Die Tatsache, dass der Eucharistie sakramententheologisch und darüber hinaus im Gemeindeleben eine zentrale Rolle zukommt, darf nicht zu dem Umkehrschluss verleiten, dass andere Gottesdienstformen wie das gemeinschaftliche Stundengebet Liturgie zweiter Klasse seien. Doch über diese Aspekte kann man die Gemeinde schwerlich vorher theoretisch unterrichten, um Akzeptanz für ein liturgisches Tagzeitenangebot zu finden. Hier wird der Weg über die Praxis führen müssen, dass heißt, wird die erlebte Tagzeitenliturgie für sich sprechen müssen.


Tagzeitenliturgie als pastorale Chance

Die Frage nach der pastoralliturgischen Bedeutung der Tagzeitenliturgie in der Gemeinde steht im Raum. Als Gottesdienst kommt der Tagzeitenliturgie in der derzeitigen Situation des Priestermangels besondere Bedeutung zu. In Zeiten, in denen nicht mehr in jeder Gemeinde die sonntägliche Eucharistiefeier sichergestellt ist, kann eine Wort-Gottes-Feier die Alternative sein. Wird diese jedoch nur als Verlegenheitslösung verstanden und womöglich - wenn sie um eine Kommunionfeier erweitert wird - noch als „kleine Messe” missgedeutet, dann ist die bessere Wahl die Tagzeitenliturgie, seien es die Laudes am Morgen oder sei es die Vesper am Abend. Denn so wird deutlich, dass man in Ermangelung eines Priester nicht versucht, die Messfeier soweit wie möglich durch andere Formen zu kompensieren; vielmehr ist die Tagzeitenliturgie von ihrem Selbstverständnis her von der Gemeinde getragene Liturgie und vollgültiger Gottesdienst. Ihr haftet nichts Defizitäres an.

Eine pastorale Chance liegt überdies darin, dass die Tagzeitenliturgie gute Anpassungsmöglichkeiten bietet und man zwischen der Vollform des Stundenbuches und einer vereinfachteren Form wählen kann. Auf diese Weise ist es möglich, die Feier auf die Glaubenssituation und die gottesdienstlichen Vorerfahrungen der Mitfeiernden anzupassen. Sogar relativ offene Gestaltungen des Tagzeitengebetes als Früh- und Spätschichten sind möglich. So kann nicht nur speziell auf Jugendliche eingegangen, sondern können auch jene angesprochen werden, die sich noch nicht in den Hochformen der Liturgie zuhause fühlen. Martin Klöckener verweist darauf, dass es differenzierter Gottesdienstformen bedarf und eine Tagzeitenliturgie in abgestuften Formen auch für Kirchendistanzierte einen Weg öffnet, ohne sie gleich zu vereinnahmen. Durch differenzierte Gottesdienstformen kann so den unterschiedlichen Glaubenssituationen Rechnung getragen werden. Die Tagzeitenliturgie eignet sich hierfür besonders - nicht zuletzt durch ihre Transparenz und Einfachheit in Inhalt und Form, die hier realisierbar sind.

Nicht unerwähnt bleiben darf die ökumenische Chance, die die Tagzeitenliturgie eröffnet. Denn sowohl die Gestalt der liturgischen Feier des Stundengebets als auch die neue Wertschätzung der Tagzeitenliturgie in den verschiedenen Kirchen - auch in denjenigen der Reformation -, legen es nahe, für eine ökumenische Feier die Tagzeitenliturgie zu wählen.

Im Hinblick auf die Überlegungen zu den abgestuften Gestaltungsmöglichkeiten der Tagzeitenliturgie stellt sich die Frage, welche Grundstruktur denn beibehalten werden sollte und auf welche Elemente verzichtet werden kann. Angelus Häußling schlägt folgendes Grundgerüst vor: 1. Gottes Namen nennen und ihn anreden, 2. Gottes Heilstaten vergegenwärtigen (Anamnese), 3. Gottes allmächtiges Wirken auch für jetzt erbitten (Epiklese), 4. Lobpreis. Ein solches Grundschema kann mit verschiedenen Elementen je nach Situation und Gemeinde aufgefüllt werden. Übrigens eine Vorgehensweise, die sich sogar die Benediktiner zu eigen gemacht haben: Der Orden hat nach der Liturgiereform den einzelnen Klöstern kein einheitliches Officium mehr vorgegeben, sondern einen "Thesaurus" zusammengestellt, aus dem die einzelnen Gemeinschaften schöpfen können. Ein Weg, der auch in Gemeinden gangbar ist. Empfehlenswerte Literatur für die Praxis liegt hierfür vor (siehe unten den Literaturbericht). Hier finden sich auch zahlreiche Hinweise zu rituellen Vollzügen, wie Luzernar und Taufgedenken, die das ganzheitliche Erleben der Liturgie verstärken.

Im Gemeindeleben finden sich ohne weiteres zeitliche Ansatzpunkte, die es nahe legen, Tagzeitenliturgie zu feiern. Vor allen Dingen bieten sich neben wichtigen Festen die geprägten Zeiten wie Adventszeit, österliche Bußzeit und die Osterzeit selbst an. Wenn auch das Ziel, der tägliche Gottesdienst der Gemeinde, nicht sofort erreicht werden kann, ist doch - so auch Martin Klöckener - die sonntägliche Vesper das Minimum. In der Praxis wird es für all diese Bemühungen jedenfalls der Kerngemeinde als stabiler Trägergruppe bedürfen. Doch sie ist es auch, die den Reichtum der Tagzeitenliturgie erfahren wird.


Literaturbericht "Tagzeitenliturgie"

Guido Fuchs: Singet Lob und Preis. Stundengebet mit der Gemeinde feiern, Regensburg 1993.

Einführungsbuch für die Praxis

Das Buch will helfen, daß das Stundengebet endlich auch in den Gemeinden heimisch und als Liturgie der Gemeinde entdeckt wird. Nach kurzen grundsätzlichen Bemerkungen zur Tagzeitenliturgie wird konsequent auf die vielfältigen Aspekte eingegangen, die es zu beachten gilt, wenn das Stundengebet in der Gemeinde Fuß fassen soll. Nach der Frage der konkreten Rollenverteilung in der Gemeinde, also der verschiedenen Dienste wie Leitung, Kantor, Lektor usw. (Kap. A), geht der Verf. auf die einzelnen Elemente des Stundengebets ein (Psalmen, Lesung, Weihrauch) und erklärt nicht nur deren Bedeutung, sondern gibt auch wertvolle Hinweise für die Gestaltung (Kap. B). Damit das Stundengebet überhaupt in der Gemeinde Wurzeln schlagen kann, müssen die einzelnen Feiern auch ihren zeitlich passenden Platz im Tagesverlauf erhalten. Daher spricht Kap. C über Zeitansatz und Gestaltung von Laudes, Vesper, Komplet und Vigil.

Ähnliches gilt für Tagzeitenliturgie zu besonderen Anlässen im Gemeindeleben, wie Christmetten, Trauermetten und Taufvesper am Ostersonntag (Kap. D). Doch es muß durchaus nicht immer die im Stundenbuch vorgesehene Vollform für das Tagzeitengedenken sein. So geht Kap. E unter anderem auf Andachten, Besinnungen und neuere Formen ein. Das Buch schließt mit Hinweisen auf Hilfen zur Gestaltung des Stundengebets mit der Gemeinde (Kap. F) und einem Anhang mit einem Überblick über den Aufbau der einzelnen Feiern und einigen wichtigen Materialien wie beispielsweise Kehrversen und Psalmtönen. Ein empfehlenswertes Buch, das sich nicht als Materialsammlung versteht, sondern realistisch darlegt, wie Tagzeitenliturgie Heimat in der Gemeinde finden kann und dazu konkrete Anregungen gibt.

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Paul Ringseisen: Morgen- und Abendlob in der Gemeinde. Geistliche Erschließung, Erfahrungen und Modelle, mit einem Beitrag von Martin Klöckener, Freiburg i.Br.-Basel-Wien 2002.

Einführungsbuch über theologische Hintergründe und mit Bericht über praktizierte Modelle

Verf. ist von der theologischen Überzeugung getragen, daß die Tagzeitenliturgie in den Gemeinden zur Erneuerung der Kirche vor Ort beitragen kann. Dies ist nicht nur generell eine Notwendigkeit, sondern gerade in unserer Zeit angesichts der pastoralen Situation ein drängendes Thema, da die Tagzeitliturgie eine Entlastungsfunktion bekommen kann. Vor diesem Hintergrund möchte Verf. "informieren und inspirieren". So erhält der Leser im ersten Teil zunächst Informationen über anthropologische, theologische und geschichtliche Aspekte des Stundengebets. Einzelthemen sind hier unter anderem Überlegungen zum Gebet, zum Stundengebet als Feiern im Rhythmus, zum österlichen Fundament der Tagzeitenliturgie. Nach diesen grundlegenden, theoretischen Informationen stellt der zweite Teil pastoralliturgische Perspektiven und Modelle vor. Hier wird vor allem Wert darauf gelegt, daß das Stundengebet eine von der Gemeinde getragenen Liturgie ist. Damit dies auch erfahrbar wird, weißt Verf. darauf hin, daß das Ideal nicht unbedingt die uniforme Gestaltung nach der Vorgabe des Stundenbuchs ist. Vielmehr sollten die Formen der Feier klar und nachvollziehbar sein und der Gemeinde entsprechen. Hilfreich wäre eine Materialsammlung, aus der man schöpfen kann, um die Tagzeitenliturgie entsprechend der jeweiligen Gemeinde und Situation angemessen zu gestalten. Im Anschluß stellt Verf. konkrete Modelle vor, am ausführlichsten das "Fürstenrieder Modell". Hilfreich ist hierbei, daß nicht nur die Modelle beschrieben werden, sondern auch der Verlauf des Weges in den Gemeinden nachgezeichnet wird. Hier kann man durchaus für die Praxis in der eigenen Gemeinde Anregungen erhalten. Auch praktische Probleme wie Trägergruppe, Leitung und Ausbildung kommen kurz zur Sprache. Das Buch schließt mit Anhängen zu Struktur, Elementen und Materialien für Laudes und Vesper.

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Morgenlob - Abendlob. Mit der Gemeinde feiern, erarbeitet von Paul Ringseisen, 3 Bde., Planegg 2000.

Bücher für die Verwendung in der liturgischen Feier

Während das Buch "Morgen- und Abendlob in der Gemeinde" des gleichen Autors sich als "geistliche Erschließung" versteht, liefern diese Bände das nötige Material für die Praxis. Sie wollen als liturgische Bücher das umsetzen, was zuvor theoretisch an Einsichten und Grundsätzen erarbeitet wurde. Um die Benutzbarkeit im Alltag zu gewährleisten, liegen jeweils zwei Ausgaben dieser Praxisbücher vor: Neben dem kleineren "Gemeindebuch" für die Gottesdienstteilnehmer existiert ein "Dienstebuch" im Großformat, das zusätzlich Regieanweisungen, Texte und Variationsvorschläge für Leiter und Lektoren enthält, sowie Notenmaterial für Kantor, Schola und mehrstimmigen Chorgesang. Auf diese Weise wird auch nach außen hin Tagzeitenliturgie als gegliederte Gottesdienstform mit verteilten Rollen augenfällig. Die bereits erschienenen Bände zu Advent/Weihnachten und Fasten-/Osterzeit enthalten zehn bzw. acht Modelle. Um wünschenswerten Anpassungen auf die jeweilige Situation und Gemeinde zu erleichtern, ist jeweils ein "Instrumentarium" beigefügt, aus dem man die benötigten Austauschelemente wählen und zusammenstellen kann. Sehr hilfreich ist das ganzseitige Ablaufschema vor jedem Modell im Gemeindebuch. So kann der Gottesteilnehmer sich jederzeit orientieren. Dies trägt viel zur Transparenz und Verständlichkeit der Feiergestalt bei.

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Albert Gerhards und Reinhold Richter: Neue Vespergottesdienste. Ein Werkbuch, Freiburg i.Br.-Basel-Wien 1986.

Werkbuch

Dieses Werkbuch wendet sich gezielt der Gemeindevesper zu, die es wiederzuentdecken gilt. Dazu werden Vespermodelle für Advents- und Weihnachtszeit, die Fasten- und Osterzeit, für den Jahreskreis und für besondere Anlässe vorgelegt. Sie verbinden in der konkreten Ausgestaltung durchgängig Wort und Musik in der Weise, daß den einzelnen Modellen jeweils klassische Werke der choralgebundenen Orgelliteratur zugeordnet werden. Die Auswahl ergibt sich durch die liturgische oder charakterliche Zuordnung zu einer bestimmten Vesper. Der zeitliche Ansatz der Gemeindevesper ist in diesem Werkbuch nicht - wie üblich - der Sonntagabend, sondern der Freitagabend. Begründet wird dies zweifach: Erstens ist der Freitag der Gedenktag des Todes Christi, der schon auf den Tag der Auferstehung, den Sonntag, hinweist. Zweitens bietet sich der Freitag aus pastoralen Gründen an, weil er als Beginn des Wochenendes empfunden wird, der als Einschnitt in der Woche für geistliches Tun empfänglich macht. Darüber hinaus disponiert die Vesper als nicht-eucharistische Liturgie für die sonntägliche Eucharistiefeier. Die Verf. weisen auch darauf hin, daß die Vesper eine besondere Chance für die rituelle Ausgestaltung der Feier bietet. Einer Überbetonung der worthaften Elemente ("Verbalismus") kann hier gewehrt werden, wenn die Zeichen und Symbole nicht nur Medium für eine verbale Katechese sind. Daher werden vor allem zwei klassische Riten aufgegriffen: der Lichtritus (Lucernar) und das Taufgedächtnis.

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Hans-Heinz Riepe: Stadtgebet. Ermutigung zu einer neuen Gebetsform, Limburg 1998.

Praxisbericht und diversen Materialien

eigenes Buch für den Gottesdienst später erschienen: Hans-Heinz Riepe, Stadtgebet der Schwerter Gemeinden [ausschließlich für den Gebrauch in der Marienkirche Shwerte], Schwerte o.J. [ca. 2000]

Anders als der Titel zunächst vermuten ließe, geht es in diesem Buch nur bedingt um neue Formen des Gebets. Neu sind weniger die Elemente des Stadtgebets, die sich erklärtermaßen an die Tagzeitenliturgie der Kirche anlehnen. Neu ist vielmehr der Kontext dieser besonderen Form des Stundengebets. Als "Stadt"gebet hat es seinen Sitz im Leben der Gemeinde einer Stadt und trägt zu Identität als "Kirche in der Stadt" bei, indem es Ausdruck der geistlichen Gemeinschaft der Gemeinde ist. Außerdem bringt es durch ausgewählte Themen die Gemeinde als für das Wohl der Stadt engagierte Gruppe in das Bewußtsein. Daher ist das Stadtgebet auch öffentliches Gebet, das über die Kerngemeinde hinaus alle Interessierten einlädt. Trotz dieses speziellen Ansatzes versteht sich das Stadtgebet dem generellen Anliegen verpflichtet, die Tagzeitenliturgie wiederzubeleben. Die konkrete Form des Stadtgebets ist hierzu eine auf die Situation einer Stadtgemeinde angepasste Gestaltung der Tagzeitenliturgie. Sie wird vom Verf. vorgestellt und kann als exemplarisches Gerüst für ähnliche Projekte dienen. Auch praktische Fragen wie die Dienste, der Ort, die Zeit, Texte für die Beter, Vorbereitungsgruppe sowie -material und sogar Öffentlichkeitsarbeit werden angesprochen. Auch der konkrete Prozeß, eine Trägergruppe und teilnehmende Kerngemeinde für das Stadtgebet zu finden, wird für das Beispiel der Kleinstadt Schwerte nachvollzogen, so daß die Seelsorger durch diesen Erfahrungsbericht Anregungen für ähnliche Projekte in ihren Gemeinden finden. Nach diesen Hintergründen enthält der Band im zweiten und umfangreicheren Teil Materialien, allerdings nicht schwerpunktmäßig zur konkreten liturgischen Gestaltung einer Tagzeitenliturgie; auch Pressereaktionen, Rundschreiben und Plakate sind hier dokumentiert. Auch sie können als Anregung dienen.

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Klaus Einspieler: Lobe den Herren, meine Seele! Handbuch für die Vorbereitung von Morgenlob, Abendlob, Vigil und Komplet, Mohorjeva-Klagenfurt 2001.

Material- und Werkbuch, das die regulären liturgischen Bücher voraussetzt

Dieses Handbuch des liturgischen Referats des Bischöflichen Seelsorgeamt der Diözese Gurk versteht sich als Werkbuch zur Vorbereitung und Feier der Tagzeitenliturgie. Grundanliegen ist die Beheimatung der Tagzeitenliturgie im Gottesdienstleben der Gemeinden. Aufgrund der heterogenen Situation in den unterschiedlichen Gemeinden legt das Buch keine Einheitsliturgie für das Stundengebet in Konkurrenz zum Stundenbuch vor, sondern ist als sinnvolle Ergänzung zu letzterem gedacht. Dazu wurde die Veröffentlichung als Materialsammlung konzipiert, das beispielsweise das Gotteslob als Buch der Gemeinde voraussetzt. Dementsprechend enthält der zweite Teil des Bandes, der Materialteile, zahlreiche Elemente der Tagzeitenliturgie, im einzelnen zu Eröffnung, Hymnus, Psalmen, Kehrversen sowie Psalmenorationen, Lesung, Antwortgesang, Lobgesang aus dem Evangelium (Benedictus, Magnificat, Nunc dimittis), Fürbitten, Vaterunser, Schlußgebet und Abschluß. Im vorangehenden ersten Teil werden Inhalt und Aufbau der einzelnen Feiern dargelegt (Morgen- und Abendlob, Vigil, Komplet). Dabei wird der rituellen Ausgestaltung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. So finden sich eigene kurze Kapitel zur Lichtfeier, zum Weihrauchritus, zum Taufgedächtnis und zur Verehrung von Christusikone, Kreuz, Osterkerze oder Evangelienbuch. Gerade im Abendlob spricht die Symbolik einer Lichtfeier mit brennender Kerze für sich: Christus ist das nicht verlöschende Licht, das mein Leben hell macht und sogar die Nacht des Todes überwindet. Danksagung ist die angemessene Antwort hierauf. Das Handbuch stellt eine feierliche und eine einfache Forme für die Lichtfeier vor. Gleiches gilt für das Abendlob mit Weihrauchritus; er ist Zeichen des Gebets, das sich zu Gott erhebt. Ein Taufgedächtnis bietet sich vor allem in der Osterzeit an, aber auch an jedem Sonntag. Seine Einzelelemente sind die Prozession zum Taufbrunnen, der Lobpreis über dem Wasser und ein Gesang zum Taufgedächtnis, während sich die Gläubigen entweder selbst mit dem geweihten Wasser bezeichnen oder mit dem Weihwasser besprengt werden.


Stand: 1. Feb. 2003


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