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1. April 2004
- Leitartikel
- Zeichen christlicher Hoffnung
- Der Wandel in der christlichen Bestattungskultur – eine Orientierungshilfe
- Inhalt
- Deutsche Bischofskonferenz: Zur Neuübersetzung des Missale Romanum
- Werkwoche für Kirchenmusik
- Studienwoche „Klangraum“
- Mystagogie im Religionsunterricht
- Glaubenszeugen (2). Gedenktage katholischer Blutzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus – April bis Juni 2004
- 3. bis 4. Sonntag der Osterzeit (C)
- Aufgaben für Sachausschuss Liturgie im April
gd Auf zwei Minuten
Kurz vor Beginn der Eucharistiefeier aus Anlass eines Begräbnisses geht ein Mann, Mitte Dreißig, durch den Mittelgang der Kirche nach vorn:
schwarze Jeans, kurzärmeliges T-Shirt, kahl rasierter Schädel, die Arme tätowiert, die Daumen in den Taschen der Jeans eingehakt. Bei den Verwandten in der zweiten Reihe bleibt er stehen und – macht eine Kniebeuge, wie sie nur ein langjähriger Ministrant zu Stande bringt. Weiter hinten blicken sich Menschen gegenseitig vielsagend an, zum Teil flüstern sie miteinander – das hatten sie wirklich nicht erwartet. Es ist nun müßig, darüber zu rätseln, wie viel echter christlicher Glaube sich hinter dieser Kniebeuge verborgen haben mag, dennoch erscheint mir etwas an ihr bemerkenswert. In Gesten, Formen, Zeichen, Riten kristallisiert immer auch ein Stück Leben, von dem in vergleichbaren Zusammenhängen plötzlich etwas wieder da ist. Selbst ein bekennender Atheist kann gelegentlich in nostalgisches Schwärmen verfallen im Gedanken an die dunkle Kirche seiner Kindheit, an die Gerüche von Wachs und Ruß und Schweiß und nasser Kleidung, kennt noch auswendig Gebete und tut sich plötzlich schwer mit einer Antwort auf die Frage, ob er all diese Eindrücke und Erlebnisse von damals heute missen möchte und ob all das, was er damals mitmachte, von heute aus gesehen, falsch oder gar verlogen gewesen sei. Zweifellos wäre es naiv, gleich in Begeisterung und Triumph auszubrechen, wenn Größen des Show-Geschäfts sich ihrer Vergangenheit als Messdiener rühmen. Aber wenn von kirchlicher Sozialisation die Rede ist und deren Mangel beklagt und ihre Förderung verlangt wird, sollte doch nicht übersehen werden, wie wichtig dafür Erfahrungen mit der Liturgie, mit ihren Zeichen, Symbolen und Ritualen sind. Diese rasten in bestimmten Zusammenhängen später wieder ein und geben oft erstaunlich Halt und Sicherheit. Und es kann durchaus geschehen, dass ein kirchenferner Mensch in einer extremen Situation gesteht, dass ihm das Schutzengelgebet aus seinen Kindertagen im Augenblick viel bedeutet. So kann es durchaus sinnvoll sein, einmal zu fragen, welche Eindrücke von Gottesdienst und Kirchenraum die Kinder von heute wohl mit in ihr Leben nehmen, meint
Ihr Eduard Nagel
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