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5. April 2001
- Leitartikel
- Ernüchternd
- Liturgie und Ritual in der heutigen Gesellschaft
- (Michael Sievernich SJ)
- Inhalt
- Studienwochenenden zu Liturgieausschuss und liturgischen Orten
- Ellwanger Orgelakademie
- Auferstehung und Sonntag
- Verkehrt? Eine Diskussion zu neuen Raumlösungen
- Mehr als Begleitmusik. Die Ordinariumsgesänge in der neuen Institutio generalis Missalis Romani. Die Allgemeine Einführung in der 3. Auflage des Missale Romanum (2)
- 3.-4. Sonntag der Osterzeit (C)
gd Auf zwei Minuten
Nicht wenige Seelsorger halten Ausschau nach Anregungen, wie sie die Feiern der Heiligen Woche noch eindrücklicher machen könnten. Da bemühen sich Priester, die sperrige Fußwaschung durch ein anderes Zeichen dienender Liebe zu ersetzen. Da zimmern Jugendliche ein Holzkreuz, an das sie am Karfreitag Zettel heften mit einem Wort oder Satz zur Beschreibung eines eigenen Kreuzes, und dieses Lattenkreuz wird entweder im Osterfeuer verbrannt oder in der Osternacht mit Blumen geschmückt. Da gibt es nachgeahmte Pessachfeiern. Das Anliegen all dieser Versuche ist zweifellos echt und ernst, und gd gibt darum manche solche Anregungen weiter oder stellt Vorschläge zur Diskussion. Trotzdem plagt mich alljährlich wieder die Frage: Warum nur trauen wir unserer Liturgie so wenig, ist sie doch in der Heiligen Woche voller Zeichen: Prozessionen, Fußwaschung, Feuer, Wasser, Öl, Nacht und Licht, eine Kerze und viele Kerzen, Weihrauch, Gesten wie das Sich-Ausstrecken auf dem Boden, Schweigen, Kuss des Kreuzes, Agape, Grabeswache, Texte und Gesänge von größter Anschaulichkeit und Dichte... Ist angesichts dessen nicht alles, was dazukommt, bestenfalls blass und harmlos, oft auch banal bis peinlich? Werden diese Zeichen, recht vollzogen, nicht von selbst verstanden, und kommt Kritik nicht vor allem dort auf, wo sie verschämt, als wären sie unzumutbar, durchgeführt werden? Vor Jahren bat mich ein Verantwortlicher um "Material für eine Osternacht der Jugend". Ich empfahl ihm das Messbuch – "Nein, das nicht!", war seine Antwort, etwas Zeichenhaftes, Lebendiges sollte es sein. So machte ich ihm Vorschläge: für ein Osterfeuer auf dem Friedhof, eine Segnung der Osterkerze, einen Zug aller Teilnehmenden durch die Dunkelheit in die noch dunkle Kirche (die Feier war am Ostermorgen), einen Lichtgesang mit einem bilderreichen Text und einer tollen Melodie, lange Schriftlesungen über die Schöpfung und die Geschichte Gottes mit den Menschen, dazu uralte Gesänge aus dem gleichen Buch, eine Prozession zum Taufbrunnen... Alles wie’s im (Mess-)Buche steht. Die Jugendlichen stellten am Ostermorgen fest, das sei die schönste Osternacht gewesen, die sie je hatten. Na also, meint darum
Ihr Eduard Nagel
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