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30. September 2004
- Leitartikel
- Eine bewegte Zeit
- Vor 40 Jahren – Instruktion „Inter oecumenici“ vom 26. September 1964
- (Eduard Nagel)
- Inhalt
- Symposium „Raum – Tanz – Musik“
- Faltblatt informiert Muslime über katholischen Glauben
- Vorbereitung der Trauung
- Durch übersetzen verstehen lernen. Übersetzung von Orationen als Projekt eines Latein-Grundkurses
- Advent nicht gewünscht?
- 31. bis 32. Sonntag im Jahreskreis (C)
- Aufgaben für den Sachausschuss Liturgie im Oktober
gd Auf zwei Minuten
In diesem Heft wird berichtet, wie ein Religionslehrer und ein Lateinlehrer mit Schüler/innen für eine Gruppenmesse die Orationen eines Messformulars neu übersetzt haben. Wozu ein solches Projekt, und warum ist es einen Bericht in gd wert?, mag jemand fragen. Für die Schüler/innen war es eine spannende und intensive Auseinandersetzung mit alten Gebetstexten.
Der Bericht lohnt, weil er dazu ermutigen kann, etwas Ähnliches zu versuchen. Denn er zeigt:
Wenn man es richtig angeht, kann heute die überlieferte Gestalt der Liturgie sich durchaus erschließen.
Das Experiment macht allerdings auch nachdenklich, wenn beim Tagesgebet ausgerechnet die starken Bilder „Kinder des Lichtes“, „Schatten der Irrtümer“, „Glanz deiner Wahrheit“ um der „größtmöglichen Klarheit“ willen auf der Strecke geblieben sind. Der Rationalismus, der in den vergangenen Jahrzehnten in Gesellschaft und Kirche so manches – darunter auch viele altbewährte Bilder – hinweggefegt hat, ist noch nicht überwunden. Den Lehrern, die mit ihren Schülern die Gebete übersetzt haben, ist deswegen kein Vorwurf zu machen. Sie haben akzeptiert, was die Schüler/innen nach eingehender Beschäftigung mit dem Text als optimale Übersetzung angesehen haben.
Wir werden uns fragen müssen, ob es wirklich stimmt, dass der Transport der alten Bilder heute genügt, um Vergessenes und Verschüttetes wieder ans Licht zu bringen. Und fragen müssen wir uns auch, ob nicht der allzu selbstverständliche, routinierte Umgang mit diesen Bildern, ihre ständige, oft gedankenlose Wiederholung sie so zu Leerformeln gemacht hat, dass sie einfach nicht mehr wirken – so plausibel sie uns selbst vielleicht noch sein mögen.
Die Instruktion Liturgiam authenticam, die die anstehende Revisionsarbeit an den liturgischen Büchern regelt, setzt auf zwei Säulen: auf die Treue zum Original und auf die Mitvollziehbarkeit der Texte durch jene, denen sie vor-gebetet werden. Das Beispiel zeigt, wie schwierig es sein kann, Beidem gerecht zu werden. Es kann auch deutlich machen, dass Verständnisbereitschaft und Geduld verlangt sind, wenn Ergebnisse solcher Übersetzungsarbeit nicht ganz dem eigenen Geschmack entsprechen, meint
Ihr Eduard Nagel
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