  | | 26. Juli 2010
- Leitartikel
- Gebet um Heilung
- Ein wichtiger Aspekt in den liturgischen Büchern
- Dr. Johannes Mette, Pfarrer in Pforzheim
- Inhalt
- Gotteslob – Stand der Arbeiten
- Widerstand
- Ökumenisches Stundengebet - Bilanz eines Modellprojekts auf dem ÖKT in München
- Tagung „Das Stundengebet der Zukunft“
- Symbol der wartenden Geduld Gottes
- Behindert, ausgegrenzt? - Die Liturgie – Ort für Mühselige undBeladene
- Feierraum der Ökumene - Die ästhetische Gestalt des Kirchentags – eine (noch) ungenutzte Chance
- 19.–26. Sonntag im Jahreskreis C
- „Dank sei Gott, dem Herrn“ - Die Abschlussriten (GORM 90)
gd Auf zwei Minuten
Liebe Leserin, lieber Leser,
zwanzig Minuten vor Beginn der Sonntagsmesse steht der Priester, schon im Messgewand, zwischen dem Eingang der Kirche und dem Beichtstuhl. Der eine und die andere Gläubige nicken ihm beim Eintreten zu oder wechseln mit ihm einen Händedruck, ohne sich jedoch bei ihm aufzuhalten. Sie wissen: Er steht hier nicht für einen Smalltalk, sondern er bietet seinen Dienst als Beichtvater an. Auf Nachfrage sagt er: Nein, es kommt nicht jedes Mal vor der Messe jemand zum Beichten, aber ab und zu ist jemand für dieses Angebot dankbar. Er ist Pfarrer dieser Pfarrei in Frankreich, die insgesamt etwa 50 frühere Gottesdienstorte umfasst, die er jetzt, zusammen mit zwei Pensionären, mit der Eucharistie und den anderen Sakramenten versorgt. „Wie sonst“, fragt er, „kann ich den Gläubigen Gelegenheit zur Beichte geben? An manche Orte komme ich nur ein paar Mal im Jahr, die Entfernungen sind groß, und viele Menschen haben kein Auto.“ Das kurze Gespräch zeigt: Dieser Mann will einfach nur Priester sein für die allzu vielen ihm Anvertrauten: die Eucharistie feiern, Sakramente spenden, Tote begraben und Angehörige trösten: Alles andere, was zum kirchlichen Betrieb – auch in dieser säkularisierten Gesellschaft – gehört, können andere machen und machen andere – überwiegend Frauen und ein paar Männer. Aus der Art und Weise, wie er die Messe feiert, wie er betet und verkündet, ist zu spüren, genau das ist seine Existenz: beten mit denen, die da sind, und für die, die nicht da sind, und Gottes Wort eine Stimme geben, damit es die Herzen jener erreicht, die gekommen sind, um es zu hören. Eine überzeugende und erfüllte Existenz, meint
ihr
Eduard Nagel
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