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Grundsätzliches

I. Multireligiöse Feier - gemeinsame Feier mit Beiträgen aller beteiligten Religionen

II. Multireligiöse Feier - getrenntes Gebet mit gemeinsamem Abschluss

III. Multireligiöse Feier - zu Gast in der Feier einer anderen Glaubensgemeinschaft
A Grundsätzliches
B Christen zu Gast bei anderen Religionen
-- Christen zu Gast in einem jüdischen Synagogengottesdienst
-- Christen zu Gast in einer muslimischen Moschee
C Gäste in einer christlichen Feier



Grundsätzliches

1. Anlass der gemeinsamen Feier formulieren (ein leitendes "Thema" bzw. Motiv sollte auch vor kurzfristig anberaumten Gebetszusammenkünften, etwa bei Unfällen oder Katastrophen, bestimmt werden).

2. Form des multireligiösen Feierns festlegen: gemeinsame Feier mit Beiträgen aller beteiligten Religionen - getrenntes Gebet mit gemeinsamem Abschluss - zu Gast in der Feier einer anderen Glaubensgemeinschaft. Daraus ergibt sich die weitere Vorgehensweise zur Vorbereitung (Team-Modell oder Gastgeber-Modell, vgl. AH 170, IV.4.).

3. Hinweise zu einzelnen Elementen für multireligiöse Feiern finden sich in der Materialsammlung.
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I. Multireligiöse Feier - gemeinsame Feier mit Beiträgen aller beteiligten Religionen

1. Musikalische Einstimmung
2. Die Vertreter aller beteiligten Religionen begrüßen die Anwesenden und gestalten die Eröffnung der Feier.
3. "Als grundsätzliche Regel gilt, dass auf das gemeinsame Beten - sei es von frei verfassten oder sei es von aus der Tradition ausgewählten Texten - verzichtet wird …" (AH 170, IV.4.)
4. "Es sollte auch darauf verzichtet werden, gemeinsam Lieder zu singen, die von den jeweiligen Glaubensvorstellungen und Gebetstraditionen geprägt sind." (AH 170, IV.4.)
5. "Eine weitere Regel ist, dass eine Religion bei solchen Feiern keine Texte oder Bräuche anderer Religionen in ihre Beiträge aufnimmt, die nicht gleichzeitig - wie im Fall des Alten Testamentes bei Christen - auch zur eigenen Überlieferung gehören." (AH 170, IV.4.)
6. "Die Gestaltung der von den einzelnen Partnern vorgetragenen Teile liegt in deren Verantwortung, muss aber so sein und vorgetragen werden, dass jeder Teilnehmer ihr mit Respekt folgen kann und sich nicht angegriffen fühlt." (AH 170, IV.4.)
7. "Das Lob des einen und ewigen Gottes ist immer unverzichtbares Element, bevor Anliegen und Bitten vorgetragen werden." (AH 170, IV.4.)
8. Gesten oder Gebärden sollen jedoch - nach vorheriger Absprache - von allen Teilnehmenden ausgeführt werden können. Vorschläge dazu finden sich in der Materialsammlung.
9. Den Abschluss gestalten die Vertreter aller beteiligten Glaubensrichtungen.
10. Nach einer musikalischen Umrahmung bietet sich die Gelegenheit zur gemeinsamen Begegnung.
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II. Multireligiöse Feier - getrenntes Gebet mit gemeinsamem Abschluss

1. Nach einem möglicherweise gemeinsamen Beginn, zu dem die Vertreter aller beteiligten Bekenntnisse begrüßen und ein Lobgebet aus der je eigenen Tradition auf Gott sprechen, trifft sich jede Religion gesondert, um in ihren Formen im gemeinsamen Anliegen zu beten. Dabei werden das gemeinsame Gebetsanliegen und der Ablauf der Feier vorgestellt.

2. Zum gemeinsamen Abschluss treffen sich alle in einem neutralen Raum. Bis sich alle Teilnehmenden eingefunden haben, wird die Zeit mit einer dem Anlass angemessenen Musikdarbietung gestaltet.

3. Die Vertreter der beteiligten Bekenntnisse tragen nun jeweils ein Gebet vor, in dem sie das gemeinsamene Anliegen zur Sprache bringen und ausfalten. Zum Thema "Frieden" etwa: (Sprecher 1:) "Guter Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, damit er uns den Frieden bringe. Wir bitten dich für unsere Familien und alle unsere täglichen Begegnungen: Gib uns die Kraft und den Willen, nach Christi Vorbild Streit und Zwietracht zu überwinden." (Sprecher 2:) "Allmächtiger Herr, du hast die Welt geschaffen und alles auf ihr ist dein Eigentum. Wir bitten dich für unsere Völker: Lehre uns die Unterschiede zu verstehen und auf dem Gemeinsamen aufzubauen, um Konflikte klären zu können." …

4. Ein Lied oder eine musikalische Darbietung können Gelegenheit zur Meditation über das Gebet geben - entweder nach jedem einzelnen Sprecher oder am Ende der Beiträge.

5. Die Vertreter der beteiligten Bekenntnisse sprechen eine Segensformel über die Anwesenden. Dazu eignet sich besonders der aaronitische Segen (Num 6,24-26) bei der Teilnahme von Juden oder ein Segenswort aus der Tradition einer der beteiligten Religionen.

6. Nach einem musikalischen Abschluss bietet sich die Gelegenheit zur gemeinsamen Begegnung.
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III. Multireligiöse Feier - zu Gast in der Feier einer anderen Glaubensgemeinschaft

A. Grundsätzliches

"Zu den Grundvoraussetzungen eines fruchtbaren interreligiösen Dialogs gehört die eigene Klarheit darüber, wer man ist und welcher Religion man angehört. Dazu gehört auch, daß man seine religiöse ‚Visitenkarte' dem anderen höflich und in aller Offenheit präsentiert. Zur Identität können Glaubensüberzeugungen, Gebetsriten und Gottesdienstformen gehören, Moral und Verhaltensnormen, religiöse Kleidung und auch eine bestimmte religiöse Terminologie."

Um die "Wahrung der Identität im Gottesdienst" zu gewährleisten, sollen "die Gläubigen so Gottesdienst feiern, wie er in der jeweiligen Religionsgemeinschaft offiziell approbiert ist. In der katholischen Kirche [z. B. …] wird unterschieden zwischen dem öffentlichen Gebet im Namen der Kirche (dem liturgischen Gebet), dem gemeinschaftlichen Gebet, das eine Gruppe in ihrem eigenen Namen spricht, und dem persönlichen Gebet des einzelnen. Die katholische Kirche gibt das öffentliche Gebet recht detailliert vor; selbst die Wortwahl und die Lesungen sid festgelegt. […] Es wäre verkehrt, wenn ein katholischer Priester gegen die kirchlichen bestimmungen die Eucharistiefeier abändern würde, weil Angehörige einer anderen Religion zugegen sind, die bestimmte Formulierungen nicht teilen können. Es sollten in der Meßfeier auch keine Lesungen aus den heiligen Büchern anderer Religionen vorgetragen werden, selbst wenn es sich um Texte handelt, denen Christen inhaltlich zustimmen könnten. Der Grund liegt darin, daß von jedem Dialogpartner Authentizität, Aufrichtigkeit und eine klare religiöse Identität verlangt sind, und nach katholischer Praxis sind solche Lesungen in der Feier der heiligen Messe nicht erlaubt. Zudem würde kein vernünftiger Buddhist, Muslim oder Jude, der einer Eucharistiefeier beiwohnt, dort einen Ritus erwarten, der religionsübergreifend Zustimmung findet. Jeder wird es doch als selbstverständlich erachten, daß er in der heiligen Messe miterleben kann, wie die katholischen Freunde ihren öffentlichen Gottesdienst feiern." (aus: Francis Arinze: Begegnung mit Menschen anderen Glaubens. Den interreligiösen Dialog verstehen und gestalten, München u.a. 1999, 37.39.41 f.)
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B. Christen zu Gast bei anderen Religionen

Im Vorfeld muss auf besondere Kleidungs- und Verhaltensregeln hingewiesen (Trennung der Geschlechter, Kopfbedeckung u.ä.) und nach Möglichkeit über den Ablauf der Feier informiert werden. Wo der Kontakt zwischen Christen und der jeweiligen anderen Glaubensgemeinschaft noch nicht etabliert ist, empfehlen sich auch Begegnungen auf anderer Ebene, um Einblick in unterschiedliche Lebensweisen und Überzeugungen zu bekommen. (vgl. AH 170, IV.3.)

An einer Stelle in der Feier sollte die Gelegenheit sein, die Gäste zu begrüßen und für die Möglichkeit der Teilnahme den Gastgebern zu danken.


Christen zu Gast in einem jüdischen Synagogengottesdienst

Männer müssen in der Synagoge eine Kopfbedeckung tragen. Darüber hinaus gibt es im jüdischen Gottesdienst einige Riten, die zwar mitvollzogen werden können, aber nicht müssen, so z.B. das Aufstehen und das Hinwenden zum Eingang zur Begrüßung des Sabbat. Nichtjuden ist es erlaubt, sitzen zu bleiben.

Allen Teilnehmenden sollten jedoch die Gebräuche und Riten - möglichst auch deren Bedeutung - vor Beginn des Gottesdienstes erläutert werden, um Überraschungen zu vermeiden.


Christen zu Gast in einer muslimischen Moschee

Während es für nichtjüdische Männer in der jüdischen Synagoge selbstverständlich geworden ist, die verlangte Kopfbedeckung zu tragen, tun sich nichtmuslimische Frauen mit dieser Vorschrift in einer Moschee schwer, obwohl Frauen mit Hüten in christlichen Gottesdiensten zum Alltagsbild gehören; das Problem sollte im Vorfeld unbedingt mit allen Beteiligten gelöst werden.

Der Innenraum einer Moschee wird nicht mit Straßenschuhen betreten. Daher finden sich vor den Teppichen - meist im Eingangsbereich gut zu erkennen - Regale, an denen die Schuhe abgestellt werden sollen. Auch beim Verlassen der Moschee werden die Schuhe nicht auf dem Teppich angezogen.

In der Regel nimmt man auf dem Teppich Platz. Es ist zu klären, ob ggf. auch Stühle bereitgestellt werden können.
Bei persönlicher Begrüßung ist zu beachten, dass zuweilen Männer und Frauen sich nicht die Hand reichen; man versichert sich der gegenseitigen Wertschätzung meist, indem man die rechte Hand auf die Brust legt.

In manchen Moscheen sind für Frauen eigene Eingänge, Emporen oder sonstige Räumlichkeiten eingerichtet. Wenn Frauen und Männer jedoch im selben Raum beten, ist der Abschnitt der Frauen hinter dem der Männer. Musikalische Darbietungen sind in aller Regel nicht in einer Moschee möglich.
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C. Gäste in einer christlichen Feier

Als Zeiten für gemeinsame Veranstaltungen sollten (bei jüdischer Beteiligung) Sabbat und (bei islamischer Beteiligung) Ramadan sowie festgelegte Gebetszeiten gemieden werden.

"Aus der katholischen Tradition bietet sich die Tagzeitenliturgie als Modell an. Dazu gehören Lesungen aus den Heiligen Schriften wie auch Gebete aus den gottesdienstlichen Traditionen. Geeignete christliche Gebetstexte sind unter anderem das Vaterunser, das Benedictus, das Magnificat, Psalmen sowie Lieder und Hymnen." (AH 170, IV.4)

Symbole, Gebärden und Gesten sollten in allen Religionen denselben Inhalt bedeuten. Anregungen dafür finden sich in der Materialsammlung. An einer Stelle in der Feier sollte die Gelegenheit sein, die Gäste zu begrüßen und für die Möglichkeit der Teilnahme den Gastgebern zu danken.

Im Anschluss eignet sich nach alter christlicher Tradition eine Agape-Feier zur Begegnung. Dabei sind die besonderen Speisevorschriften der einzelnen Religionen zu beachten (Verbot von Alkohol, Schweinefleisch; Schlacht- und Reinheitsvorschriften etc.)
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