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27. Januar
Nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus


Im Jahre 1996 ist in der Bundesrepublik Deutschland zum ersten Mal der 27. Januar als staatlicher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen worden. Auch in vielen christlichen Gemeinden wird dieser Tag mittlerweile begangen.

Erinnerung ist für Christen ein vertrautes Geschehen. Die Anamnese von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi steht im Zentrum jedes Gottesdienstes.
Die christliche Liturgie muss von ihrem ureigenen Anspruch her jedem Versuch widerstehen, das Gedächtnis der Leidenden und Unterdrückten zu verdrängen.

Weitere Informationen gibt es   hier.


Vorlagen für die Gestaltung von Gottesdiensten am 27. Januar:

  "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2003"
Liturgische Handreichung des Bistums Mainz zur Vorbereitung (pdf-Datei)

  "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2002"
Liturgische Handreichung des Bistums Mainz zur Vorbereitung (pdf-Datei)

  Die folgenden Anregungen sind der Zeitschrift "Gottesdienst" entnommen:

Anregungen zu einem Gottesdienst
aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus

27. Januar 2001

„Wo ist dein Bruder Abel?"


Litanei zur Eröffnung

GL 764

Einführung
Liebe Schwestern und Brüder. Im Anrufen der Gegenwart Gottes sind wir versammelt, um zu gedenken. Als Christen sind wir gleichsam Hüterinnen und Hüter der Erinnerung, verpflichtet durch das Gedenken Gottes selbst, dem kein menschliches Leben verloren geht. Im Gedenken an die Greuel, die mit dem Namen Auschwitz in unsere Geschichte hineingebrannt sind, wenden wir uns an Gott, der allein Gerechtigkeit und Frieden schenkt.

Gebet
Allmächtiger Gott,
übe Nachsicht mit unserer Schwäche,
und damit wir imstande sind,
den Kampf mit den Mächten des Bösen zu bestehen,
strecke deine Hand aus und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. - Amen..
(Messbuch. Tagesgebet am Samstag nach Aschermittwoch)

oder
Gott.
Dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt.
Es macht das Leben reich, es stiftet Frieden und Versöhnung.
Gib, dass wir es nicht achtlos überhören.
Mach uns aufnahmebereit. Bring dein Wort in uns zu hundertfältiger Frucht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. - Amen.
(Messbuch. Tagesgebete zur Auswahl 6)

Lesung
Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. Der Herr sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß, und warum senkt sich dein Blick? Nicht wahr, wenn du recht tust, darfst du aufblicken; wenn du nicht recht tust, lauert an der Tür die Sünde als Dämon. Auf dich hat er es abgesehen, doch du werde Herr über ihn! Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Gehen wir aufs Feld! Als sie auf dem Feld waren, griff Kain seinen Bruder Abel an und erschlug ihn. Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders? Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. So bist du verflucht, verbannt vom Ackerboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen. Wenn du den Ackerboden bestellst, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein. Kain antwortete dem Herrn: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte. Du hast mich heute vom Ackerland verjagt, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein, und wer mich findet, wird mich erschlagen. Der Herr aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.
(Gen 4, 3-15; Messlektionar V, S. 150 f.)

Lied

GL 292 „Herr, dir ist nichts verborgen", oder:
GL 311 „Mit lauter Stimme rufe ich zum Herrn"



Impulstext zur Predigt
Gedenken an unsere Vergangenheit ist kein Wühlen in alten Geschichten. Gedenken heißt im gläubigen Sinn die rechte Haltung zu Vergangenheit und Gegenwart einzunehmen, d.h. Verantwortung und Aufmerksamkeit, wo immer es um beschädigtes und geschändetes menschliches Leben geht. Kain, das ist nicht vergangen. Kain, das sind nicht allein die Nazi-Schergen. Kain ist ein bleibender Namen dafür, dass Menschen keine Verantwortung füreinander übernehmen, nicht Hüter des anderen sein wollen. Kain ist bleibender Namen für den finsteren Blick, mit dem der andere erniedrigt, gedemütigt, verachtet wird.

Friedrich Schorlemmer hat anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1993 gesagt: „Mach einen neuen Versuch. Verlier nicht den Mut, wo doch das Erschrecken über ‚den Menschen´ zugleich ein Erschrecken über dich selbst wird, der du zufällig, ganz zufällig nicht auf dem Balkan oder im Kaukasus wohnst. Wie steht es um den Welt-Frieden in dir? Wie dünn ist die Haut deiner Friedfertigkeit? Wie lange hältst du den anderen aus, du, ich, mit dem Kainsmal Gezeichneter? Nenne mir ein Verbrechen, das ich nicht auch hätte begehen können!

Kain - der Mensch mit verfinstertem Blick, der Andersartigkeit nicht erträgt, Ausschließlichkeit beansprucht, den Anruf nicht hört. Antwort und Verantwortung verweigert, Für-Sorge abweist. Unstet ist er, in sich zerworfen. Am Anfang, die erste Tat außerhalb des Paradieses - ein Mord, und nicht nur dies: Verweigerung der Antwort. An unserem Ende könnte die Zerstörung des Paradieses ‚Erde´ stehen, des Gartens, von dem wir leben. Dennoch: Wort-Antwort-Verantwortungswesen sind wir.

Am Anfang steht nichts anderes als ein gesenkter Blick, der zum bösen wird. Den Anderen nicht mehr ansehen, sich in sich selbst verkrümmen, das Gesicht des Anderen, des Menschenbruders, der Menschenschwester, nicht mehr sehen, den Zorn in sich wachsen und wuchern lassen, die inneren Spannungen und äußeren Verletzungen auf ihn konzentrieren, um dann, nicht mehr Herr im eigenen Hause, zuzuschlagen und im selben Moment noch die Verantwortung für die Tat abweisen - das ist unser wiederkehrendes Schicksal, von dem wir uns befreien können, wenn wir rechtzeitig aufsehen, im Gesicht des Anderen uns selber entdecken, auch in der Fratze des Anderen, die aus Angst Angst macht, aus Wut Gewalt werden lässt, aus Verletzung verletzt, aus Ungerechtigkeitsgefühl ungerecht wird, sich Gerechtigkeit ‚holt´. Wo wir im anderen uns selbst - mit all unseren Schatten - wiederentdecken, können wir es lernen, Differenz zu ertragen, einander leben zu lassen."

(Fr. Schorlemmer, Den Frieden riskieren, in: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1993. Friedrich Schorlemmer. Ansprachen aus Anlass der Verleihung. Frankfurt / M. 1993, 35-65, hier 42f).


Fürbitten
Der Brudermord zieht seine Spur des Hasses und der Vernichtung durch die Menschengeschichte. Dem setzt Gott seine Liebe und seine Verheißung entgegen. Im Vertrauen auf ihn beten wir in Stille:
· Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und empfehlen der Tröstung und der Gerechtigkeit Gottes:
- die ermordeten Kinder, Frauen und Männer des jüdischen Volkes - Stille -
- die ermordeten Angehörigen der Roma und Sinti - Stille -
- die ermordeten Angehörigen der osteuropäischen Völker - Stille -
- die ermordeten psychisch und physisch behinderten Menschen - Stille -
- die ermordeten Künstler, Intellektuellen, Politiker - Stille -
- die ermordeten Ordensleute, Priester, Pfarrer, Glieder der christlichen Kirchen - Stille -
- die ermordeten Homosexuellen - Stille -
- die ermordeten Angehörigen der Widerstandsbewegungen - Stille -
- die Überlebenden der Shoa, die das Überleben nicht ertragen und ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt haben - Stille -
- die überlebenden Zwangsarbeiter und Geschändeten, denen ihre Jugend und Lebenskraft geraubt wurden - Stille -
- Die Geschehnisse der Vergangenheit rufen uns in die Verantwortung für die Gegenwart. Darum stellen wir Gott den Antisemitismus und Fremdenhass unserer Tage vor Augen. Wir bitten um die Aufmerksamkeit gegenüber allen Versuchen, die Achtung vor der Würde der Person zu schmälern. - Stille
Gott, du verleihst dem Menschen Ansehen und schenkst ihm die Freiheit, dir und einander in Wertschätzung und Liebe zu dienen. Deinen Verheißungen vertrauend loben und preisen wir dich in Ewigkeit. Amen.

Schluss-Gebet
Gott,
wer wie Kain dem Nächsten Unrecht tut,
dem vergiftet und zerstört der Dämon der Sünde das Leben.
Wir rufen zu dir, unserem Herrn und Schöpfer:
Nimm von uns den verfinsterten Blick auf den Anderen,
mehre in unserer Zeit deine Menschenliebe
und lass uns immer neu aus deiner Barmherzigkeit leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.


(Benedikt Kranemann / Benedikt Welter)
Gottesdienst 34 (28.12.2000) Nr. 24, S. 188 f.



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