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KIRCHE IM DIALOGPROZESS
Bereits im Januar 2010 hatten die deutschen Bischöfe beschlossen, anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils eine Standortbestimmung der katholischen Kirche in Deutschland vorzunehmen. Mit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle, die im vergangenen Jahr die Kirche erschütterten, wurde die Notwendigkeit eines intensiveren inner- wie außerkirchlichen Dialogs noch dringlicher. Die Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz zog daraus die Konsequenz, indem sie einen Dialogprozess initiierte, der unter dem Leitwort „Im Heute glauben“ Amtsträger und Laien über drei Jahre hinweg bis 2015 miteinander ins Gespräch bringen soll. Jedes Jahr wird dabei jeweils eine der drei Grundvollzüge der Kirche in den Mittelpunkt stellen: 2012 das diakonische Handeln, 2013 die Feier der Liturgie und 2013 das Zeugnis des Glaubens.
Auch wenn die Sorge sicher nicht unbegründet ist, dieser Prozess könne Erwartungen im Blick auf umfassende Reformen hervorrufen, die am Ende enttäuscht werden müssten, war der Schritt zu einer solchen Gesprächsinitiative richtig und in der Sache wegweisend. Wie die von den Teilnehmern geschilderten Eindrücke zeigen und was in den Medien berichtet wurde, hat die Auftaktveranstaltung am 8./9. Juli 2011 in Mannheim offenbar auf allen Seiten die Hoffnung genährt, der Dialogprozess könne ein vertrauensvolles Miteinander in der Kirche unseres Landes befördern und helfen, Polarisierungen in jedwede Richtung zu minimieren.
Passend zum 50jährigen Jubiläum der Verabschiedung der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium am 4. Dezember 1963 wird sich der Dialogprozess im Jahr 2013 vor allem der Feier des Gottesdienstes widmen. In diesem Rahmen lädt die Deutsche Bischofskonferenz zu einem Nationalen Eucharistischen Kongress ein, der vom 5. bis 9. Juni 2013 in Köln stattfindet. Auf diese Weise erhält das „Jahr der Liturgie“ nicht nur einen eigenen, von der Feier des Gottesdienstes bestimmten Schwerpunkt, der Eucharistische Kongress könnte auch ein Ort und ein Anlass sein, um zu der vielfach gewünschten und notwendigen liturgischen Bildung beizutragen. Die Chance, sich auf das Zweite Vatikanische Konzil zu besinnen, an dessen pastorale Anliegen und Intentionen zu erinnern, die Dokumente wieder neu zu lesen und sie mit den heutigen Gegebenheiten und Herausforderungen ins Gespräch zu bringen, um daraus Impulse für das gegenwärtige Leben der Kirche zu gewinnen, sollte nicht ungenutzt bleiben. Dies gilt in besonderer Weise für die Feier der Liturgie, deren Reform die Konzilsväter kraftvoll ins Werk gesetzt haben. Sie hat über die vergangenen fünf Jahrzehnte das Leben in unseren Pfarrgemeinden maßgeblich befruchtet und vielen Gläubigen geholfen, in der liturgischen Feier Gott zu erfahren und ihren Glauben zu vertiefen.
Als sich die Verabschiedung der Liturgiekonstitution zum vierzigsten Mal jährte, haben die deutschen Bischöfe dies zum Anlass genommen, in einem eigenen Pastoralschreiben an wesentliche Elemente der nachkonziliaren Liturgiefeier zu erinnern und einzuladen, die gottesdienstliche Praxis vor Ort zu bedenken.1 Es lohnt immer noch, die hier vorgetragenen Gedanken Revue passieren zu lassen und sie auf den verschiedenen Ebenen ins Gespräch zu bringen. Es müssen sicher nicht immer Papiere und Deklarationen sein, die eine beständige Beschäftigung mit dem Gottesdienst anstoßen. Aber eine ermutigende und aufbauende Hinführung zu dem, was geschieht, wenn wir Liturgie feiern, ist eine bleibende Aufgabe. „Stillstand ist Rückschritt“2, hatten die Bischöfe 2003 in ihrem Pastoralschreiben gemahnt. Es bleibt zu hoffen, dass auch der Gesprächsprozess und der Nationale Eucharistische Kongress Impulse geben für eine lebendige und fruchtbare Feier des Gottesdienstes im Geist der liturgischen Erneuerung.
1 Pastorales Schreiben: Mitte und Höhepunkt des ganzen Lebens der christlichen Gemeinde. Impulse für eine lebendige Feier der Liturgie. 24. Juni 2003 (Die deutschen Bischöfe 74).
2 Ebd., 44.
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